Bild Atempause.png

Chronische Schmerzen und Medikamente

Wie entscheiden, ob ich jetzt gerade dieses Medikament gegen meine Schmerzen nehmen sollte?


„Menschen zum Mond schicken und selbstfahrende Autos entwickeln geht – da muss es doch wohl möglich sein, ein Medikament zu erfinden, das gegen meine Schmerzen hilft!“

„Mein Arzt hat mir was gegen Depressionen verschrieben – denkt der, ich hab's am Kopf??“

„Ich bin eigentlich gegen Medikamente und will so wenig wie möglich nehmen – das funktioniert aber nicht so richtig und ich bin völlig frustriert!“


Du siehst schon – mit einem einzigen Blog ist es da sicher nicht getan. Deswegen werde ich eine Serie schreiben und verschiedene Seiten anschauen.

Heute geht's zunächst mal um das „Wozu“. Wozu nehme ich ein Medikament gegen Schmerzen? Doofe Frage ja irgendwie: Ich will meine Schmerzen loswerden, oder?

Klingt zwar logisch, aber so einfach ist das bei chronischen Schmerzen ja leider nicht. Sonst wäre schließlich alles bestens und kein Problem.


Inhaltsangabe

Warum überhaupt Schmerzmedikamente?

Die Dosis ist entscheidend

Den Grund für die Medikamenteneinnahme hinterfragen

Nicht nur kurzfristig soll die Einnahme des Medikaments helfen!

Kurz zusammengefasst, was Du Dich fragen solltest

Medikamente bei chronischen Schmerzen
Behältst Du bei chronischen Schmerzen leicht den Überblick über die Medikamente?

Warum überhaupt Schmerzmedikamente?

Die einzige Möglichkeit, durch ein Medikament mal schmerzfrei zu sein wäre, wenn wir wie in eine Narkose gelegt werden. Und auch wenn das was Bestechendes hat („Au ja, das wäre ja wie Urlaub vom Schmerz!“) – mal Hand aufs Herz: ist das das Leben, das ich dauerhaft leben möchte? Nichts mitbekommen? Die Familie nicht, das was ich gerne mache, die Landschaft – oder was auch immer mir wichtig wäre. Oder andersrum gefragt: mal angenommen, es gäbe eine Wunderpille und der Schmerz wäre weg: wollen wir dann unser Leben damit verbringen, auf einem Stuhl sitzen und zu sagen „Super, ich bin schmerzfrei“?

Nee, sicher nicht! Da gibt's bestimmt viele Ideen, was wir stattdessen tun möchten.


Schmerzmedikamente sollen uns also dabei unterstützen, unser Leben so zu leben, wie es uns wichtig ist. Und zwar langfristig. Das heißt, sie sollten ein möglichst gutes Verhältnis von Wirkung zu Nebenwirkung haben. Dazu brauchen wir in den meisten Fällen zunächst einmal eine gute Unterstützung durch die Ärztinnen und Ärzte. Denn die müssen ja erstmal sagen, welche Medikamente überhaupt einen Sinn machen.


Die Dosis ist entscheidend

Wir brauchen aber auch uns selbst. Warum das so wichtig ist, hat mir eine ärztliche Schmerzspezialistin einmal erklärt: für ein möglichst gutes Verhältnis von Wirkung und Nebenwirkung muss die Dosis genau angepasst sein. Sie muss einerseits groß genug sein, um in Ruhe und bei angepasster Alltagsgestaltung die Schmerzen zu mindern (sonst ist die Wirkung zu gering). Andererseits darf sie aber auch nicht so groß sein, dass ich meinen Körper damit überfordern kann. (Das wäre dann eine Dosis, bei der die Nebenwirkungen zu groß sind - und außerdem würde sich der Körper dann irgendwann sowieso mit noch mehr Schmerzen rächen).


Wir sollten also darauf achten, dass wir pfleglich mit uns umgehen (dafür gibt's dann einen eigenen Blog), um dieses gute Verhältnis von Wirkung zu Nebenwirkung überhaupt möglich zu machen.


Den Grund für die Medikamenteneinnahme hinterfragen

Und es gibt noch einen zweiten Tipp, der für die Einnahme von Medikamenten bei Bedarf gilt. Frag Dich vor jeder Einnahme:

WARUM möchte ich das Medikament gerade nehmen? Und wenn Du auch vielleicht denkst, „hä, doofe Frage: natürlich wegen Schmerzen!?“, schau vielleicht mal genauer hin.

Das ist nämlich wie beim Essen. Es gibt viele Gründe zu essen, nur einer davon ist Hunger (also ich zumindest esse auch gerne mal wegen Stress, aus Langeweile, weil ich gerade Lust darauf habe, weil ich zum Essen eingeladen und in Geselligkeit bin…). Und so ich kann ein Medikament nehmen, weil ich zwar noch nicht wirklich (stärkere) Schmerzen habe, aber Angst habe, sie werden stärker und dann bin ich nicht fit („habe noch so viel zu tun bei der Arbeit!“) oder weil ich zwar aus Erfahrung weiß, dass es zwar nichts bringt, aber das Gefühl habe, ich habe wenigstens etwas getan oder, oder, oder.


Und frage Dich weiter: bin ich eher bereit ein Medikament zu nehmen, wenn es um Pflichterfüllung geht, als wenn ich etwas für mich Wichtiges und Schönes, z.B. mit Freunden ins Kino gehen, vor habe? Um das herauszufinden, muss ich es natürlich zunächst bemerken. Das geht am besten, indem ich sozusagen einmal die „Pausetaste“ drücke und kurz innehalte.


Nicht nur kurzfristig soll die Einnahme des Medikaments helfen!

Und dann kommt die zweite Frage: wenn ich mir vorstelle, ich nehme in dieser und allen ähnlichen Situationen hauptsächlich ein Medikament: wird das längerfristig mein Leben reichhaltiger und besser machen (bei der Arbeit, mehr Zeit mit Freunden…) oder nicht? Dazu kann auch helfen sich zu fragen: was wird mein Körper in drei Monaten/drei Jahren dazu sagen?


Das kann helfen zu entscheiden: möchte ich jetzt in diesem Moment dieses Medikament wirklich nehmen oder nicht? Es geht ja schließlich NICHT darum, keine Bedarfsmedikamente mehr zu nehmen, sondern zu wissen, wann ich ein Medikament möglichst hilfreich – d.h. zur langfristigen Verbesserung meines Lebens - einsetze.


Kurz zusammengefasst, was Du Dich fragen solltest

  1. Grundsätzlich gut und pfleglich mit sich umgehen, um den Medikamenten die beste Chance zu geben.

  2. Bei jeder zusätzlichen Medikamenteneinnahme außerhalb eines festen Zeitplans genau hinschauen:

  • Wofür nehme ich das Medikament gerade?

  • Wenn ich in dieser und allen ähnlichen Situationen immer wieder ein Medikament nehme: wird das längerfristig mein Leben reichhaltiger und besser machen (bei der Arbeit, mehr Zeit mit Freunden…) oder nicht? Was wird mein Körper in drei Monaten/drei Jahren dazu sagen?

So haben Medikamente die beste Chance, uns in unserer gewünschten Lebensführung zu unterstützen.

37 Ansichten

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen