Und es passiert einfach immer wieder - der innere Autopilot

Aktualisiert: 28. Nov 2020

Und ohne es zu merken, bin ich schon wieder in die Schonhaltung gerutscht. Dabei verlagert sich das Gewicht von einem Bein etwas mehr auf das andere und entlastet so meinen einen Fuß, der gerne kräftig wie tut. Wenn ich etwas mit Bestimmtheit sagen kann, dann ist das, dass ich hierüber gar nicht mehr nachdenken muss, was mein momentanes Wohlbefinden deutlich erleichtert. Genau dafür ist der innere Autopilot da! Er hilft uns hervorragend kurzfristige Lösung zu finden und diese in Gewohnheiten zu verwandeln. Allerdings ist er auch völlig leidenschaftslos darin, ob es mir auf längere Sicht mit seinen Lösungen gut geht oder nicht.



Schaue ich mir zum Beispiel meine häufige Entlastung meines linken Beines an, da schiebt sich die Hüfte einfach nur ein Stückchen nach rechts, so habe ich bemerkt, dass die Muskulatur an meinem rechten Bein und in der Hüfte deutlich zugenommen hat, die auf der linken Seite allerdings schwächer geworden ist. Er haut es mit der muskulären Balance dann nicht mehr so hin und ich fange immer öfter an, schief dazu stehen. Das will ich natürlich überhaupt nicht, aber ob ich das will oder nicht interessiert den flotten, automatischen Problemlöser in mir überhaupt nicht. Er will eine Lösung für das Problem, dass jetzt gerade da ist und Schmerz ist ein Problem, welches er naturgemäß sofort angehen möchte. Durch den schiefen Beckenstand ergaben sich inzwischen Probleme in der unteren Wirbelsäule und da mein Körper meinen Kopf ja lieber gerade als schräg tragen will, versucht er durch die Muskelspannung im Rücken das Schiefe wieder auszugleichen. Letztlich bekomme ich Kopfweh nur weil mein Fuß weh tut. Klingt merkwürdig, funktioniert aber genauso.

Unser Autopilot dient der ganz schnellen, alltäglichen Problemlösung, welche er hervorragend bewältigt. Wir denken nicht mehr lange drüber nach wie wir beim Autofahren die Gänge schalten, wie wir eine Türklinke runterdrücken um die Tür zu öffnen und hoffentlich fragt sich auch keiner, was das rote Licht wohl sagen will, wenn man sich der Ampel nähert, sondern bremst automatisch oder bleibt stehen. Wenn uns jemand zur Begrüßung die Hand hinstreckt ergreifen wir diese meist ohne drüber nachzudenken und über das Kaffeekochen müssen wir auch nicht viel nachdenken, wenn wir schon oft genug gemacht haben. Der Autopilot vereinfacht unser Leben ungemein.


Manchmal aber, wenn wir z.B. Schmerzen mit all den dazugehörigen Körperempfindungen, Gefühlen und Gedanken erleben bringt er uns nach und nach von der Richtung ab, die wir langfristig im Leben gehen wollen - d.h. er wirkt sich auf unser Verhalten aus, welches automatisiert wird. Nach einiger Zeit mit starken Schmerzen sagen wir vielleicht Verabredungen ab ohne lange vorher darüber nachzudenken ob es nicht sinnvoll und schön wäre doch mitzugehen. Vielleicht haben wir durch die häufigen Schmerzen eine deutlich kürzere Lunte und sind oft gereizt, wobei wir dann schnell aggressiv reagieren, was vielleicht ersteinmal unserer aufgestauten Wut gut tut („Raus ist raus!“), wir uns dann aber für den Scherbenhaufen schämen, den wir durch unseren Wutausbruch hinterlassen haben. Es kann also sein, dass uns der Autopilot immer wieder in Schleifen hineinzieht, die uns für den Moment vielleicht entlasten aber unser Leben auf die lange Sicht einengen oder schwieriger machen. Und genau der erste, positive Effekt ist für unseren Körper so verführerisch. Danach sehnt er sich und wenn es erfüllt wird, nimmt er dieses Verhalten ratzfatz in den Autopiloten auf. Dann müssen wir nicht mehr drüber nachdenken, sondern kriegen es Freihaus geliefert - ob wir es wollen oder nicht. Das führt dann meist zu weiteren Problemen.


Daher ist es von großem Vorteil, diesem Autopiloten über die Zeit immer besser auf die Spur zu kommen. Wenn ich mein Leben in den Griff bekommen möchte, ist der erste Schritt immer, dass ich weiß, was in mir passiert und wie ich (meist ganz automatisch) darauf reagiere. Erst so bekomme ich einen Fuß in die Tür und kann Dinge anfangen anders zu machen. Es geht nicht darum, dass wir etwas falsch machen, wenn wir dem Autopiloten folgen, sondern dass wir lernen zu bemerken, wann das automatische Verhalten in eine ungewünschte Richtung geht. In einem weiteren Schritt können wir dann lernen sozusagen innerlich die Pausetaste zu drücken und unser weiteres Verhalten zu wählen. Das kann aber natürlicherweise nicht passieren, wenn ich mir nicht zuerst bewusst bin, was mein Autopilot gerade anstellt.


Hier findest Du noch ein Video zum Autopiloten und warum es gut ist, diesen zu kennen:



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