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Freundschaft mit Deinem Körper schließen (trotz chronischer Schmerzen)

Es hört sich unglaublich an, doch vielleicht suchen wir beim Umgang mit den Schmerzen manchmal am falschen Ende. Ja, wir machen etwas grundlegend falsch – persönlich und in der Therapie. Hä, was meint Gideon damit?

Okay, dann fang ich mal verwegen an. Hiermit behaupte ich einfach mal, dass bei chronischem Schmerz in ganz vielen Fällen, die größte und wichtigste Ressource in der Behandlung ausgelassen wird – nämlich Dein Körper, wenn er funktioniert. Wir hören nicht auf unseren Körper, wenn es

besser geht, und genau das ist eine riesige Chance für Dich. Wie Du sie nutzen kannst erfährst Du im Laufe des Textes und am Ende bekommst Du noch einen super Download dafür, ganz gratis.


Schmerz runter, Leben rauf funktioniert nicht

So, wie komme ich nun dazu, sowas zu behaupten? Im Grunde ist es ganz einfach, da wir in der Schmerzbehandlung immer darauf aus sind die Schmerzen zu reduzieren. Die Idee ist, wenn die Schmerzen runter gehen, geht die Lebensqualität rauf. Macht ja auch irgendwie Sinn, oder? Schauen wir uns Akutschmerz an, passt das auch hervorragend. Genauso ist es! Nur, irgendwie will es bei chronischen Schmerzen nicht so klappen. Wenn es funktionieren würde, dann wären chronische Schmerzen nicht das Problem, dass sie sind. Es würde uns allen relativ gut gehen trotz der Schmerzen ... dummer Weise ist es nicht so. Bei chronischen Schmerzen spielen so viele Dinge eine Rolle (siehe auch meinen anderen Blog hier), was die Behandlung einfach schwieriger macht.


Mein Körper und Ich

Ist Dir schon einmal aufgefallen, dass wir uns von unserem Körper trennen, wenn wir Schmerzen haben? Wir sagen: Mein Kopf tut weh ... oder mein Bauch ... oder mein Knie usw. Im Gegensatz dazu sprechen wir ganz anders wenn es uns gut geht: Ich bin glücklich ... froh ... verliebt. Niemand käme auf die Idee zu sagen „Mein Knie ist verliebt“ oder „Ich schmerze“.

Bei Schmerzen passiert etwas in unserer Wahrnehmung, dass uns von unserem Körper trennt. Da bin ich auf der einen Seite und mein Körper auf der anderen. Und der macht etwas, womit ich gar nicht einverstanden sein kann. Er tut weh und manchmal weiß ich nicht einmal warum und selbst wenn, ist das nicht leicht nachzuvollziehen.

Natürlich versuche ich meinen Körper dazu zu bekommen, so zu funktionieren, dass ich damit zufrieden sein kann. Und was macht dieser Rüpel? Er entzieht sich all den Versuchen und tut weiter weh. Kein Wunder, dass ich irgendwann auf Kriegsfuß mit ihm stehe. Wenn wir solche Schwierigkeiten in einer Partnerschaft hätten, was würde passieren? Vermutlich würden wir uns irgendwann trennen. Das ist mit dem eigenen Körper aber nicht so gut möglich – also knatschen wir uns oft genug weiter an. Das habe ich anfangs zu Genüge selbst erlebt und weiß, wie mich das auf Trab gehalten hat.

Kannst Du da mitgehen oder kennst Du das gar nicht? Lass uns doch dazu etwas in den Kommentaren da.


Wie nähere ich mich wieder an?

Das Erste, was wichtig zu verstehen ist, ist, dass Dein Körper das nicht macht, um Dich zu quälen. Unsere Körper sind biologische Organismen und immer bestrebt, unter den Umständen, in denen sie sind, möglichst gut zu funktionieren. Auch mit Schmerzen funktioniert noch so viel in Deinem Körper ganz hervorragend, sonst könntest Du diesen Text hier gar nicht mehr lesen. Also gibt es zwei Möglichkeiten, warum er schmerzt: vielleicht kann er nicht anders aufgrund von chronischen Krankheiten, alten Verletzungen, Verwachsungen oder ähnlichem. Oder er will Dir etwas mitteilen – vielleicht ist ihm etwas zu viel, Dein Leben geht in eine Richtung, die Dir eigentlich nicht liegt, da ist zu viel Stress oder Bedrohung und so weiter. Beide Male ist er nicht der Fiesling, für den wir ihn halten mögen, oder? Persönlich finde ich es wichtig, sich das immer wieder klar zu machen. Natürlich dreht sich Deine Situation dadurch nicht ins Märchenhafte, doch es ermöglicht Dir vielleicht nach und nach etwas Verständnis aufzubauen.


Dein Körper hilft Dir – wenn Du zuhörst

Noch viel besser ist, dass Dein Körper Dir hilft ... wenn Du es wahrnimmst. Er sagt Dir ganz genau unter welchen Umständen er gut funktionieren kann. Das nennen wir eine Ressource. Es sind nur leider die Momente, auf die wir selten achten. Aber ab jetzt weißt Du es und kannst es Dir zu Nutze machen. Wenn Du nämlich weißt, welche Bedingungen dazu führen, dass Dein Körper besser funktioniert, kannst Du sie vielleicht auch selber herstellen. Das kann aber ein wenig tricky sein und nicht immer ist es das Erste, was uns auffällt. Das heißt, Du solltest gut im Bemerken werden, bemerken von dem, was in diesen Momenten in Dir passiert und was Du tust.


Schmerzen verlaufen nie gleich und schwanken. Das tun sie verschieden schnell und heftig und das hast Du sicherlich schon bemerkt. Nun achten wir zumeist darauf, wann die Schmerzen mehr werden. Zunächst ist das logisch und auch wichtig. Wollen wir eine Schmerzhemmung erreichen, müssen wir am besten genau an diesem Punkt einschreiten. Wenn unsere Aufmerksamkeit aber hier hängen bleibt (und das tut sie bei den meisten so gut wie immer – das ist die Werkseinstellung in unserer Wahrnehmung), dann ist das bei chronischen Schmerzen so als würden wir an anderen Menschen immer


nur die miesen Seiten bemerken und nie ihre Stärken. In deren Gesellschaft fühlen wir uns dann bald ziemlich unwohl, oder?


Es ist also wichtig, Schwierigkeiten zu bemerken.

Im Falle von chronischen Zuständen ist die andere Seite aber mindestens genauso wichtig!


Dafür gibt es zentrale Fragen:


Wann wird der Schmerz eigentlich weniger?

Wann ist er erträglich oder gar mal weg?

Wann fühlt sich mein Körper wohl?


Nimm Dir Zeit und denke darüber einmal nach! Nach nur so kurz, sondern richtig. Diese Fragen sind nämlich keineswegs trivial oder gar pillepalle. Sie weisen auf die Fähigkeit Deines Körpers hin, sich angemessen organisieren zu können, wenn die Bedingungen stimmen, die ich ihm biete. Und diese Bedingungen haben, wenn wundert’s bei unserem Programm, mit Verhalten zu tun.


Im Grunde ist alles, was Du tun musst, darauf achten, wann es besser wird und dann genau hinschauen – am besten darüber genau Buch führen. Japp, das ist nicht mit einem Tag erledigt und am Anfang vielleicht etwas holprig. Du wirst aber bemerken, dass es immer leichter gehen wird und Du wirst dabei auch immer mehr schöne, oft kleine Momente in Deinem Leben entdecken – so gesehen, ist es wie ein Achtsamkeitsübung. Vor allem aber kommst Du immer besser dahinter, was Dein Körper wirklich braucht. Oft denken wir automatisch dabei an Sonne, Meer, Stufenlagerung, oder das nächste Rezept für die Physiotherapie. Während all das schön und nützlich sein kann, keine Frage, ist es jedoch selten das, was bei dieser Übung herumkommt. Fast alle entdecken, dass es eher um eine bestimmte Haltung geht, mit der ich beispielsweise etwas mache – vielleicht gehe ich in den Momenten irgendwie gut mit mir selber um, stehe zu mir, lasse los oder komme sonst wie vom Funktionieren zum Leben. Probiere aus, was es bei Dir ist!


Dein Geschenk!

Da ich aus Erfahrung weiß, dass es manchmal schwierig ist, ganz ohne Hilfe Deine Wahrnehmung dafür zu schärfen, habe ich ein Tagebuch für Dich entwickelt, mit dem Du lernst genauer zu bemerken. UND das bekommst Du gratis zum Download!

Wenn Du Dich hier unten einschreibst, bist Du mit ein paar Klicks genau da! Also, worauf wartest Du noch? Gehe Deinen Schritt ins Leben!


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Literatur:

Seemann, H. (2019). Freundschaft mit dem eigenen Körper schließen: Über den Umgang mit psychosomatischen Schmerzen. Klett-Cotta.

Seemann, H. (2019). Mein Körper & Ich - Freund oder Feind? Klett-Cotta.

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