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Dein Körper ist nicht böse, schlecht oder gemein!

Aktualisiert: 15. Juni


Kennst Du das, wenn Dein Körper Dir ständig einen Strich durch die Rechnung macht? Schöne Dinge sind geplant, eine Arbeit will erledigt werden, Freunde laden ein ... und wumms, da sind die Schmerzen, die gerade niemand braucht. Mitten in der schönen Unterhaltung auf einem Fest, bei Hobbys, in der Partnerschaft, überall können die Schmerzen im Weg sein.


Viele sind dann am Anfang verwundert, versucht eine Regelmäßigkeit herauszufinden, zu verstehen, die Schmerzen zu ignorieren oder zu bekämpfen. Irgendwann kommt dann Frust auf und vielleicht bist Du auf Deinen Körper auch schon wütend geworden, da es auf die Frage „Warum ich?“ einfach keine leichte (wenn überhaupt) Antwort gibt und er trotzdem einfach weh tut. Sehr oft habe ich es bei Menschen mit chronischen Schmerzen schon erlebt, dass sie dann hilflos wurden, enttäuscht, desillusioniert und vielleicht sogar ganz aufgeben wollten. Ja, Suizid aufgrund chronischer Schmerzen ist gar nicht so selten – zum Glück aber auch nicht häufig.


Irgendwie macht unser Körper nicht das, was wir gerne von ihm möchten, egal wieviel Mühe wir uns geben. Da ist er bei vielen ganz hartnäckig. Persönlich finde ich es absolut verständlich und normal, wenn wir irgendwann sauer auf ihn sind. Die Frage ist eher wohin führt Dich das in Deinem Verhalten Deinem Körper gegenüber? Hilft die Wut, das Kämpfen, das Ignorieren über längere Zeit hinweg? Oder entsteht nur noch mehr Leid oben drauf? Mehr Hilflosigkeit, Depression, schwindender Selbstwert und Misstrauen?

Kann ich durch Wut meinen Körper tatsächlich dazu bringen so zu funktionieren, wie ich es will? Was ist Deine Erfahrung?


Vielleicht verstehen wir nicht, was unser Körper uns mitteilen will

Doch wie wäre es, wenn Schmerzen (auch chronische) einfach nur eine Form der Kommunikation unseres Körpers sind, die wir eben nicht immer verstehen? Und wenn wir sie nicht verstehen, dann wird unser Körper einfach lauter, damit wir ihm zuhören müssen. Das kann er, nicht wahr?

Doch wenn das Problem nicht allein in Deinem Körper läge, sondern vor auch in Deinem Umgang

mit ihm? Das ist nämlich der Punkt, den wir alle beeinflussen können. Hier hast Du Kontrolle!

Wahrscheinlich hast Du schon oft genug erlebt, dass die meisten Dinge, die Du probiert hast kurzfristig wirksam waren, vielleicht sogar sehr wirksam, doch langfristig gab es ziemlich wenig, was wirklich hilfreich war. Wichtig! Ich sage nicht, dass es sowas in einzelnen Fällen nicht gibt, doch in über 20 Jahren Berufserfahrung mit Schmerzpatienten musste ich feststellen, dass das leider eher selten der Fall ist.

Wenn wir jedoch verstehen, dass es im Grunde nur drei Gründe gibt, warum ein Körper weh tut, dann ist es vielleicht auch leichter, unser Verhältnis zu ihm zu ändern. Mach Dir klar, dass Dein Körper ein biologischer Organismus ist und so ein Organismus ist ungeheuer komplex, mit Millionen und Abermillionen Bauteilen, die miteinander in Verbindung stehen und sich andauernd aktualisieren, um unter den Umständen, unter denen sie sind zu überleben. Dein Körper hat also gar keine Zeit, Dich quälen zu wollen (auch wenn es Dir vielleicht manchmal so vorkommt), er ist viel zu sehr damit beschäftigt, sich zu organisieren! Auch würde es biologisch keinen Sinn machen, dass er fies ist, da sein absolutes Interesse Dein/sein Überleben ist.


Warum Dein Körper weh tut

Die drei Gründe lassen sich grob zusammenfassen:


1. Er kann nicht anders!

Ja genau, es gibt eine Reihe von Bedingungen, unter denen unser Körper gar nicht anders kann als weh tun. Die Schmerzen sind hier eine natürliche Folge aus den Bedingungen, unter denen unser Körper funktioniert. Hierfür verdient er eher unser Mitgefühl als unser Misstrauen. Nach meinem Unfall sind beispielsweise meine Knochen nicht wieder so zusammengewachsen, wie sie sollten. Die Unterschenkel und Füße sind etwas krumm und schief. Solange ich es mit dem Laufen nicht übertreibe, tun sie aber auch nur selten weh. Wenn ich sie aber viel belaste reagieren meine Füße und Fußgelenke mit Schmerzen. Dann schwellen sie etwas an und lösen die Nervenschmerzen aus, da die Nerven damals auch in Mitleidenschaft gezogen wurden. Mein Körper tut das sicher nicht, um mich zu quälen (auch wenn es manchmal eine Qual ist), sondern er kann nicht anders unter den Umständen, in denen er sich seit dem Unfall befindet. Ein anderes Beispiel wäre eine chronische Erkrankung, die im Hintergrund ist – z.B. Rheuma. Durch die Entzündungsprozesse, meist in den Gelenken, werden die Schädigungsfasern gereizt und melden, dass etwas nicht stimmt. Auch hier mögen die Schmerzen quälend sein, was aber nicht heißt, dass der Körper uns quält.


2. Er will mir etwas mitteilen!

Hier betreten wir einen etwas komplizierten Bereich. Oft wird er auch psychosomatischer Schmerz genannt, doch eigentlich mag ich die Bezeichnung nicht besonders, weil sie für viele wie „eingebildeter Schmerz“ klingt, und weiß Gott, das ist er sicher nicht!


Diese Art der Kommunikation unseres Körpers will erst einmal verstanden sein. Und dafür müssen wir genau hinhören, uns Zeit mit ihm nehmen, uns ihm zuwenden. Das ist natürlich das Letzte, was Du wahrscheinlich tun willst, wenn Du Schmerzen spürst und gleichzeitig ist es das Beste, was Du tun kannst! Doch worauf will Dich Dein Körper hinweisen? Das kann alles Mögliche sein, doch meistens hat es etwas damit zu tun, dass wir eine für uns wichtige Richtung im Leben verlassen haben – eine Partnerschaft, die wir so eigentlich nicht leben wollen, einen Job, der uns so gar nicht liegt, einen Lebensstil, der uns im Grunde nicht guttut oder, oder, oder... Nur, auf die Idee muss man ja erst einmal kommen, dass das irgendwas mit Schmerzen zu tun haben kann. Genau dafür müssen wir die Ohren spitzen, unserem Körper zuhören und auf ihn zugehen, statt Reißaus zu nehmen und gegen ihn zu kämpfen. Dann sollten wir uns bewusst werden, was uns im Leben eigentlich wichtig ist und uns auf den Weg machen.


3. Eine Mischung aus beidem - unser wunder Punkt!

Ist Dir schon einmal aufgefallen, dass deine Schmerzen mehr werden oder gar erst auftauchen, sich bemerkbar machen, wenn Du Stress hast oder die Dinge nicht so laufen? In meinem Job habe ich nun mal das Los gezogen sehr, sehr viel zu sitzen (Psychotherapeut halt). Das heißt, während meiner Arbeit komme ich nun wirklich nicht dazu meine Füße und Beine zu überlasten. Und dennoch habe ich es erlebt, dass ich nach einem stressigen Arbeitstag humpelnd nach Hause kam und meine Frau mich sah und wie nebenbei sagte „Oh, war stressig heute, was?“

Was war da passiert? Dieser körperliche Schlag, den ich damals abgekriegt habe, ist zu meiner Schwachstelle geworden. Das heißt, wenn irgendwas nicht stimmt, meldet sich diese Stelle als erstes. Natürlich kann man auch psychosomatische Schmerzen und andere chronische Schmerzen gemeinsam haben. Das verwirrt dann nicht nur uns gehörig, sondern treibt meistens auch die BehandlerInnen schier in den Wahnsinn. Die Kunst ist es hier, über die Zeit zu lernen, wann unser Körper uns welches Signal schickt – und das kann sehr kniffelig sein.


Wie Du siehst, geht es letztlich darum, mit dem Körper mitfühlend und geduldig zusammenzuarbeiten. Das ist etwas, das wir so nicht gewohnt sind und was uns verständlicherweise nicht immer leichtfällt. Wie das gehen kann, darum dreht sich unser Programm Schritt ins Leben. Aber auch in den Videos und in dem Blog hier findest Du eine Menge Anregungen, was Du schon jetzt für Dich umsetzen kannst.

Wenn es eine Sache ist, Dir mir wichtig ist, dann nimm bitte mit, dass Dein Körper nicht gegen Dich ist, selbst wenn es Dir manchmal so vorkommt. Er tut das Beste, was ihm gerade möglich ist, um Dich durchs Leben zu bringen – nur manchmal ist das eben nicht so einfach.


Nun bin ich gespannt. Lass mich und andere wissen, was Du darüber denkst und lass eine Kommentar da.

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